Erben und Vererben - Steuergeschenk Familienheim

Das Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht begünstigt die Übertragung von Familienheimen. Hier sind drei Fallgestaltungen zu unterscheiden:

  • der Erwerb vom Ehegatten oder Lebenspartner zu Lebzeiten ohne steuerliche Behaltens frist;
  • der Erwerb vom Ehegatten oder Lebenspartner von Todes wegen unter der Voraussetzung der 10-jährigen Selbstnutzung durch den Erwerber;
  • der Erwerb durch Kinder von Todes wegen, soweit die Wohnfläche 200 m² nicht übersteigt und unter der Voraussetzung der 10-jährigen Selbstnutzung durch den Erwerber. Begünstigt sind hier auch Kinder und Kinder verstorbener Kinder (Waisenenkel).

Die weitestgehende Privilegierung ist die Schenkung des Familienheimes an den Ehegatten unter Lebenden gem. § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG. Es kann sowohl das Alleineigentum, als auch Miteigentum an einem Familienheim übertragen werden. Auch die Anschaffung oder Herstellung mit den Mitteln des anderen Ehegatten ist privilegiert. Ebenso die Tilgung eines Darlehens des anderen Ehegatten für das Familienheim.

Voraussetzung bei allem ist, dass der übertragende Ehegatte im Zeitpunkt der Übertragung selbst Eigentümer oder Miteigentümer ist; ist dies nicht der Fall, entfällt die Steuerbegünstigung. Übertragen werden muss das Voll- oder Teileigentum, nicht ausreichend ist die Einräumung eines Wohnrechts oder Nießbrauchsrechts an dem Familienheim.

Unschädlich für den Erhalt der Steuervergünstigung ist die Einräumung eines Wohnrechts- oder Nießbrauchsvorbehalt zugunsten des schenkenden Ehepartners.

Eine gewerbliche oder freiberufliche Mitbenutzung der Wohnung nimmt an der steuerlichen Privilegierung teil, nicht dagegen eine solche außerhalb der eigenen Wohnung oder eine Fremdvermietung.

Das Familienheim muss von den Eheleuten zu eigenen Wohnzwecken genutzt werden. Hierzu gehören auch die Kinder, Enkelkinder oder Hausgehilfen.

Für die steuerliche Privilegierung bei Übertragungen auf den Ehegatten unter Lebenden spielt der Güterstand keine Rolle, es findet auch keine Angemessenheitsprüfung statt. Die Steuerbefreiung kann immer für das gegenwärtige Familienheim in Anspruch genommen werden, auch wenn früher bereits eine steuerbegünstigte Zuwendung stattgefunden hat. Es können demzufolge mehrere Familienheime nacheinander übertragen werden, solange der beschenkte Ehegatte nicht gleichzeitig Eigentümer oder Miteigentümer mehrerer Familienheime wird. Die spätere Veräußerung oder Nutzungsänderung ist unbeachtlich. Es besteht für den beschenkten Ehegatten - anders als im Erbfall - keine Behaltens- oder Weiter-Wohnens-Pflicht.

Schließlich sind diese Regelungen sachliche Befreiungsvorschriften, d. h. die Befreiung wird nicht auf den persönlichen Freibetrag des beschenkten Ehegatten angerechnet.

Anders sieht es aus bei der Vererbung eines Familienheimes an Ehepartner. Auch hier besteht die grundsätzliche Privilegierung in Form der Steuerbefreiung, allerdings muss der überlebende Ehegatte das Familienheim 10 Jahre nach dem Tod des anderen Ehegatten zu eigenen Wohnzwecken nutzen, es sei denn, er ist aus zwingenden Gründen an einer Selbstnutzung zu eigenen Wohnzwecken gehindert.

Auch Kinder können in den Genuss der Steuerprivilegierung kommen. Auch für sie gilt jedoch die 10-Jahres-Behaltensfrist, außerdem gilt die Steuerfreiheit nur für eine Wohnfläche bis 200 m², ist diese größer, wird die Steuerfreiheit nur anteilig gewährt.

Die von Todes wegen begünstigten Erwerber, Ehefrau oder Kinder, müssen die Wohnnutzung unverzüglich aufnehmen, regelmäßig innerhalb von 6 Monaten.

Steuerschädlich ist es, wenn der überlebende Ehegatte oder die Kinder das Objekt innerhalb des 10-Jahres-Zeitraums nicht nutzen oder veräußern; es sei denn, sie sind aus zwingenden Gründen an einer Selbstnutzung zu eigenen Wohnzwecken gehindert. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn der überlebende Ehegatte stirbt oder pflegebedürftig wird. Liegen objektiv zwingende Gründe vor, die auf Dauer eine weitere Nutzung verhindern, darf das Objekt unentgeltlich überlassen, vermietet oder auch verkauft werden.

Wenn eine Voraussetzungen der Steuerbefreiung während der 10-jährigen Selbstnutzungsfrist entfällt, erfolgt eine Nachversteuerung, und zwar in vollem Umfang. Auch aus diesem Grunde muss das "Steuergeschenk Familienheim" sorgfältig geplant und durchgeführt werden.

Bei Fragen hierzu wenden Sie sich bitte an:

Hermann Roling

Rechtsanwalt und Notar
Fachanwalt für Erbrecht
Testamentsvollstrecker (DVEV zertifiziert)
Fachanwalt für Verwaltungsrecht

Kontakt

Kanzlei Roling & Partner
Schloßstr. 20a
49074 Osnabrück

Telefon: 0541 / 6 00 63 - 0
Telefax: 0541 / 6 00 63 - 22
E-Mail: info(at)roling-partner.de

Unsere Öffnungszeiten:

Mo-Do08:00 - 13:00 Uhr
14:00 - 18:00 Uhr
Fr 08:00 - 13:00 Uhr
14:00 - 17:00 Uhr

mehr

click
to
open